May 21, 2024


Träumen Sie auch von einem vierbeinigen Freund an Ihrer Seite? Mehr als 250 Hunderassen werden in Deutschland gezüchtet. Die Entscheidung, welche die Richtige ist, ist gar nicht so einfach.

Hundetrainerin Simone Pohl von der Hundeschule Pro-Dog in Blankenfelde-Mahlow (Brandenburg): „Bei der Rasse-Wahl muss das Aussehen des Hundes zweitrangig sein.“ Denn es soll tatsächlich Menschen geben, die sich den Hund aussuchen, weil er schick aussieht oder zur Einrichtung passt.

Die wichtigsten Grundfragen

Simone Pohl nennt die wichtigsten Grundfragen, die man sich stellen sollte: „Kann ich dem Hund ein Leben ermöglichen, das seinem Charakter und seinen Bedürfnissen entspricht? Hat er ausreichend Auslauf? Kann ich die Kosten decken? Habe ich genug Zeit für den Hund? Ist sein Züchter in einem, vom VDH anerkannten, Zuchtverband?“

Der VDH ist der Verband für das Deutsche Hundewesen, unter dessen Dach die Zuchtverbände der einzelnen Rassen sich zu tierschutzgerechter Zucht verpflichten. Hunde-Interessierte finden so seriöse Züchter, die an die VDH-Regeln gebunden sind und etwa Qualzuchten vermeiden.

Wie lange kann ein Hund alleine bleiben?

Auch die berufliche Situation des Halters ist entscheidend. Aber wie lange darf ein Hund alleine bleiben? „Natürlich können es auch mal sechs Stunden werden“, sagt Simone Pohl. „Aber es darf eben nicht regelmäßig vorkommen. Denn die Hunde leiden darunter.“

Es gibt Gesellschaftshunde, Familienhunde, Jagdhund, Hütehunde, Wachhunde und sehr sportliche Hunde. Aber es muss natürlich nicht immer der Rassehund sein. „Ein toller Mischling aus dem Tierschutz kann viel Spaß machen und ein toller Partner sein“, so die Trainerin.

Niemals aus dem Internet kaufen

„Auf gar keinen Fall darf man einen Hund aus einem Kofferraum kaufen oder auf eine Anzeige im Internet reagieren. Meist sind solche Tiere krank oder zu früh von der Mutter getrennt worden“, sagt Simone Pohl.

Seriöse Züchter sozialisieren junge Hunde in der Welpenphase. Was das Tier hier lernt, prägt es für sein Leben. „Spätestens bis zur 16. Lebenswoche sollte der Hund alles kennengelernt haben, was wichtig ist“, so Pohl. „Andere Hunde, Kinder, Männer, Frauen, Straßenverkehr und vieles mehr.“ Der Züchter darf den Welpen frühestens ab der achten Lebenswoche von der Mutter trennen.

Gesellschaftshunde[–> sind das, was man früher als Schoßhund bezeichnete. Also besonders klein gezüchtete Hunde. Im Rahmen des VDH sind sie aber keine Qualzuchten und können gehalten werden. Zu ihnen gehören etwa Prager Rattler oder Chihuahuas.

Familienhunde[–> sind etwa Golden Retriever oder Labradore. Sie leben überwiegend gerne in Familien, sind toll zum Spielen. Simone Pohl: „Dabei ist wichtig, dass der Hund nicht als Spielzeug für die Kinder angeschafft wird. Er hat in einer Familie trotzdem eine bestimmte, erwachsene Bezugsperson. Sie erzieht den Hund konsequent und souverän.“

Jagdhunde, Hütehunde und Actionhunde[–>, die viel Sport brauchen, haben spezielle Bedürfnisse und benötigen das Programm, das ihrer Veranlagung entspricht. Das heißt in der Regel viel körperliche und geistige Beschäftigung. Jagdhunde sind ohne Leine oft kaum zu kontrollieren, weil sie alles jagen, was ihnen in die Nase kommt. Wachhunde brauchen eine feste Aufgabe, die ihrem Naturell entspricht, etwa Aufpassen auf ein Grundstück. Außerdem sind sie meist sehr groß (z. B. Kangal oder Pyrenäenhund). „Sie sind keine Stadthunde, sollten besser auf dem Land leben“, erklärt die Hundetrainerin.

Hundetrainerin Simone Pohl (r.) leitet auch Kurse für den Hundeführerschein

Hundetrainerin Simone Pohl (r.) leitet auch Kurse für den Hundeführerschein

Foto: STEFANIE HERBST

Border Collies oder Australian Shepherds sind Hütehunde.[–> Simone Pohl: „Als Familienhund sind sie oft nicht geeignet. Der Australian Shepherd muss da für sein schönes Aussehen büßen. Aber er ist ein Hütehund und ursprünglich zum Schafe hüten gezüchtet. Das ist seine genetische Prägung und dieses Verhalten kriegt man auch nicht raus. Er muss täglich geistig und körperlich gefordert werden. Wenn er in eine Familie kommt, sollte es eine besonders aktive Familie sein, die sich täglich viel mit ihm beschäftigt, ihm viel Bewegung draußen bietet, ihm dazwischen aber auch Ruhepausen gönnt. Die Kinder sollten schon größer sein und täglich zahlreiche Tricks und Spiele mit ihm üben.“

Kann die Familie darauf nicht eingehen, kann es beim Hund zu Nervosität, ständigem Bellen oder gar Zerbeißen von Gegenständen im Stress kommen, in schlimmen Fällen sogar zu Eigenverletzungen.

„Nur Spazierengehen reicht nicht“

Anton und seine Sarah Trebus trainieren jeden Tag Hundesportarten

Anton und seine Sarah Trebus trainieren jeden Tag Hundesportarten

Foto: STEFANIE HERBST

Wie es aussieht, hat Anton (2) Riesenglück. Der Australian Shepherd ist bei Sarah Trebus (35) gelandet. Die Tierärztin aus Berlin bietet ihm das, was er braucht und hat dabei für sich selbst den perfekten Hund gefunden. Win-win sozusagen.

„Diese Rasse ist dankbar für jegliche Art von Beschäftigung, bei der Intelligenz und Fitness gefordert werden. Für mich ist dieses Aktivitätslevel genau richtig. Wir trainieren Hundesportarten wie Agility, Trickdog oder Dogdancing. Auch beim Gassigehen gibt es Übungen zwischendurch, nur Spazierengehen reicht bei ihm nicht. Man kann dadurch zu seinem Hund eine enge Bindung bekommen, wenn man sich als sein Mensch darauf einlässt.“

„Fiby läuft am Tag zehn Kilometer mit mir“

Fiby und ihr Frauchen Simone Kraemer sind ein hervorragendes Team

Fiby und ihr Frauchen Simone Kraemer sind ein hervorragendes Team

Foto: STEFANIE HERBST

Fiby ist erst ein Jahr alt und mit etwa zwei Kilogramm ein echtes Leichtgewicht. Aber sie wird nicht schwerer und nicht größer, denn sie ist ein Prager Rattler. Die tschechische Rasse wurde einst als Ratten-Jagdhund gehalten. Aber das spielt für Simone Kraemer (58, Krankenschwester) aus Berlin gar keine Rolle, denn sie liebt ihre Fiby, weil sie so ist wie sie ist – schlau, schnell und geduldig.

„Sie versteht Übungen sofort, verträgt sich gut mit anderen Hunden und fährt gerne im Fahrradkorb mit“, erzählt sie. „Im Urlaubs-Flieger nach Spanien sitzt sie in einer Tasche bei mir in der Kabine. Sie eckt am Strand auch nicht so an wie große Hunde. Aber sie ist der beste Beweis, dass auch kleine Hunde sehr viel Bewegung brauchen. Wir laufen am Tag zehn Kilometer zusammen. Das braucht sie – und ich auch.“

„Er ist meine tägliche Freude am Leben“

Magyar Vizsla Scuba (1) ist sportlich, intelligent und verkuschelt und Lisa Traches großes Glück

Magyar Vizsla Scuba (1) ist sportlich, intelligent und verkuschelt und Lisa Traches großes Glück

Foto: STEFANIE HERBST

Lisa Trache (34, Lehrerin) aus Schönefeld (Brandenburg) hat sich, seit sie sechs war, einen Hund gewünscht – Scuba (1) ist es nun geworden. Mit dem Magyar Vizsla hat sie sich einen Traum erfüllt – und zwar den richtigen. „Er ist sportlich, intelligent, verkuschelt und sehr menschenbezogen. Ich freue mich jeden Tag über ihn. Alleine schon die Begrüßungen sind so schön. Er ist meine tägliche Freude am Leben“, sagt sie.

Die Rasse des ungarischen Vorstehhundes hat in der Regel einen unterschiedlich stark ausgeprägten Jagdtrieb. „Das ist bei Scuba auch so“, sagt Lisa Trache. „Er hebt die Pfote wie ein Vorstehhund, wenn er Mäuse riecht, aber er hat noch nie was gekriegt und er ist auch gut abrufbar. Wir sind ein richtiges Team, können gemeinsam viel erreichen. Ich trainiere viel mit ihm und wir machen den Hundeführerschein. Und wir haben noch viel vor!“

Enie, der Familienhund

Berner Sennenhündin Enie und Daniela Ballschmiter vom Berner Gutshof in Schönefeld

Berner Sennenhündin Enie und Daniela Ballschmiter vom Berner Gutshof in Schönefeld

Foto: STEFANIE HERBST

Zweimal die Woche geht Daniela Ballschmiter (53) aus Schönefeld (Brandenburg) mit ihrer Berner Sennenhündin Enie (1) in die Hundeschule. Die Berner Sennenhunde-Züchterin sagt: „Berner Sennenhunde sind sehr ruhig und absolut familientauglich. Sie bewahren Ruhe, auch wenn es mal stressig wird, vertragen sich gut mit anderen Hunden.“

Sie wollen mit ihren Haltern nicht joggen oder Fahrradfahren, aber sie brauchen viel Gassi-Bewegung, wollen generell viel draußen sein und abends drinnen kuscheln. „Die Fellpflege ist weniger intensiv als man denkt, aber zum Fellwechsel kann sie Zeit in Anspruch nehmen. Man sollte sich des Gewichts bewusst sein – die Hündinnen wiegen etwa 40, die Rüden etwa 50 Kilogramm. Sie werden zwischen acht und zehn Jahre alt“, so Ballschmiter.

Herzi hat ihr Herz gewonnen

Herzi und sein Frauchen Steffi beim Hundesport. Der englische Whippet ist besonders wendig und schnell

Herzi und sein Frauchen Steffi beim Hundesport. Der englische Whippet ist besonders wendig und schnell

Foto: STEFANIE HERBST

An einen britischen Windhund hatte Steffi Curs (44, Verwaltungsmitarbeiterin) aus Berlin ursprünglich eher nicht gedacht. Zuvor lebte sie mit einem Pitbull. Aber dann tauchte Prince Blue Heart von Anlunas auf – und es war um sie geschehen.

„Und ich habe es nie bereut“, sagt sie und lächelt. „Aber ich nenne ihn natürlich Herzi.“ Herzi ist ein Whippet und jetzt schon zwei Jahre alt. Seine Rasse wurde eigentlich zur Kaninchenjagd und für die Rennbahn gezüchtet. „Für mich ist er genau der Richtige, denn er ist draußen extrem aktiv und drinnen sehr verkuschelt, möchte viel Körperkontakt. Dafür ist die Rasse bekannt und das finde ich wunderbar. Die Züchterin hat ihn mir auch nur unter der Bedingung mitgegeben, dass er bei mir im Bett schlafen darf.“

Aber Herzi ist beim Gassigehen schnell wie ein Pfeil, braucht weite Strecken und hat einen sehr ausgeprägten Jagdtrieb. „Ohne Schleppleine geht da nichts. Er kann sehr gut sehen. Wenn er am Horizont ein Reh sieht, startet er durch und ist nicht abrufbar. Das muss man wissen, wenn man sich für die Rasse interessiert. Ich finde es toll, wenn ich Joggen gehe und mein Pferd an der einen Seite habe und Herzi an der anderen.“



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